Jerry West: Der Mann, der das Logo wurde (2024)

Der Basketballer Jerry West wurde auf dem Logo der NBA verewigt, einem der bekanntesten der Welt. Sein Leben aber zeigte: Im Sport geht es um mehr als Titel.

Von Nico Horn

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Sie wissen es vielleicht nicht, aber Sie haben ihn bestimmt schon mal gesehen. Wie er den Ball in der linken Hand hält, sich leicht nach vorne lehnt und gleich nach rechts dribbeln wird. Wer je ein Spiel der NBA gesehen hat, kennt dieses Logo: eine weiße Silhouette auf rot-blauem Hintergrund. Es ist eines der bekanntesten Logos der Welt. Jerry West ist dieses Logo seit 1969. Und klar, sie nannten ihn deshalb nur: "The Logo".

Am Mittwoch ist West im Alter von 86 Jahren gestorben. Und über West ist schon viel gesagt, wenn man weiß, dass es weltweit wohl nur einen Menschen gab, der ihn für die falsche Wahl als Logo hielt: Jerry West. Er hasste es, "The Logo" zu sein.

Dabei ist er eine perfekte Wahl. Denn seine Karriere voller Niederlagen und Siege, sein Leben voller Schmerz zeigen einem: Titel sind im Sport zwar viel, aber nicht alles. Auch wenn er selbst das wohl nie verstehen konnte.

Mit den heute legendären Los Angeles Lakers stand West zwischen 1962 und 1973 neunmal in den Finals der NBA. Der Shooting Guard erzielte Rekorde für die Ewigkeit. In einem Finalspiel machte er unglaubliche 53 Punkte, dazu legte er 10 Assists auf. 1970 rettete er seine Lakers mit einem Wurf aus der eigenen Hälfte in die Verlängerung. Doch da verloren sie, wie sie so oft im entscheidenden Moment verloren. In vielen Final-Serien war Jerry West der beste Spieler – und trotzdem verloren er und die Lakers acht der neun Finals. 1972 gewann er seine einzige Meisterschaft als Spieler.

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West war offensiv wie defensiv herausragend, als einer der Ersten beherrschte er den Sprungwurf, er traf auch von weit weg. Seine Würfe zählten aber nur zwei Punkte. Wie gut wäre er erst gewesen, hätte es zu seiner Zeit bereits die Dreipunktlinie gegeben. Sein Problem waren die Boston Celtics um den vor zwei Jahren gestorbenen Bill Russell. Damals, als es noch keine Dreipunktewürfe gab, dominierten die großen Center wie Bill Russell die Liga. Sechs der neun Finals verlor West gegen Russells Celtics. West hatte an seiner Seite zwar den grandiosen Punktesammler Elgin Baylor, aber lange keinen Center, der es mit Russell aufnehmen konnte. Erst 1968 kam Wilt Chamberlain. Die Celtics hatten aber neben Russell noch vier weitere Spieler, die später in die Hall of Fame der NBA aufgenommen wurden. Sie waren einfach zu gut.

So ist es manchmal im Sport, man muss nicht nur Talent und Willen haben, man braucht auch Glück. Wie viele Grand-Slam-Titel mehr hätten Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Đoković, hätten sie nicht jahrelang gegeneinander spielen müssen? Wie viele Titel mehr hätte West ohne die Celtics? 1969, als er sein sechstes Finale verloren hatte, wurde er als bis heute einziger Spieler eines Verliererteams zum MVP, zum besten Spieler des Finals gewählt. West hasste auch das. Er spielte überragend, aber seiner Meinung nach eben nicht überragend genug. Für ihn zählte nur der Sieg. Seine Karriere sah er als nicht komplett an.

Wie falsch er lag.

Während West seine eigene Leistung, seine eigene Größe nie erkannte, erkannten sie viele andere.Unter anderem sein größter Rivale. Der Journalist Bill Simmons zitiert in seinem The Book of Basketball die wohl schönsten Worte, die je ein Sportler über einen seiner Rivalen gesagt hat. Sie kamen von Bill Russell, der mit West nicht nur die Rivalität, sondern auch den Geist für Sport und Fairness teilte:"Jerry, ich habe einmal geschrieben, dass Erfolg eine Reise ist und dass die größte Ehre, die man haben kann, der Respekt und die Freundschaft seiner Kollegen ist. Du hast das mehr als jeder andere, den ich kenne", sagte Russell 1971, als West noch titellos war. "Jerry, du bist im wahrsten Sinne des Wortes ein wahrer Champion. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre es der, dass du immer glücklich bist."

Leider war West sich selbst oft nicht genug. Erst spät in seinem Leben, 2011, berichtete West in seiner Biografie namens West by West: Mein zauberhaftes, gequältes Leben von seinen Depressionen. Und davon, wie ihn sein Vater schlug. Wie er als Teenager dem Vater drohte, ihn zu erschießen, wenn er ihn nicht in Ruhe lasse. Er spielte Basketball, warf und warf und warf, wurde einer der Besten und war doch nicht zufrieden. Er sei sich selbst ein Rätsel, schrieb West in seinem Buch.

Erst spät fand er innere Ruhe. Laut dem Wall Street Journal bezeichnete er sich in seinen Siebzigern als glücklichsten Menschen der Welt. Da hatte er schon seine großen Erfolge als Manager hinter sich. Als solcher gewann West viele Meisterschaften. Endlich. Er machte seine Los Angeles Lakers zu den "Showtime Lakers", die in den Achtzigern mit Magic Johnson und Kareem Abdul-Jabbar den aufregendsten je gesehenen Basketball spielten und fünf Meisterschaften gewannen.

Als einer von wenigen hochtalentierten Basketballern hatte West die Gabe, Talent auch in anderen zu erkennen. Das Talent Kobe Bryants, dem einen Menschen, der vielleicht noch besessener arbeitete als er selbst, erkannte er sofort. West holte Bryant und Shaquille O'Neal zu den Lakers. Das Duo hätte gemeinsam noch mehr als drei Titel nach Los Angeles gebracht, hätten sich ihre Egos etwas besser vertragen. Magic Johnson schrieb am Mittwoch auf X an alle Lakers-Fans: "Der einzige Grund, warum wir 17 NBA-Meisterschaften haben, ist Jerry West." Auch die Celtics haben aktuell 17 Meisterschaften, in der aktuellen Finalserie gegen Dallas führen sie 3:0, noch ein Sieg fehlt ihnen zur 18. Meisterschaft. Wahrscheinlich würde das dem alten Laker Jerry West nicht so gefallen.

Dass West das NBA-Logo ist, hatte die Liga übrigens nie zugegeben, obwohl eh alle Bescheid wussten. Zu Wests Tod sagte nun der NBA-Chef Adam Silver, er habe natürlich immer gewusst, wer die Inspiration für das Logo gewesen sei. Und West habe es auch gewusst, auch wenn er es lieber nicht gewusst hätte. "Denn er fand immer, dass das Logo für etwas Größeres als ihn stehen sollte."

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